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2. September





Toskana.
Mittwochs überlegt, doch noch in den Urlaub zu fahren.
Zum grossen Glück unfassbar nette Haus-und Tiersitterinnen von heute auf morgen gefunden.
Freitag abends die letzte Buchung über Airbnb getätigt.
Samstag losgefahren.
Über Florenz, dann in die Maremma und an die Küste der südlichen Toskana.
Julius, Greta, Artur, Arturs Freundin, wir beide und Nils natürlich.
( ja, tote Kinder verreisen mit)
Zwei volle Wochen.
Es war so gut. Wir waren dem Himmel so nah. Und uns.
Abenteuer, Wildnis, Sonne, Trauer, Meer, Gewitter, Steine, viel Wein, Freude, Spass, Tränen, Sternschnuppen, Kirchen, Berge, Himmel, Wolken, Lachen, Liebe.
Nach Italien wollten wir eigentlich nie.
Ich könnte sofort wieder los.

Foto: von Greta



31. August


Hunde sind auf dem Friedhof verboten.
(…)

30. August


Heute acht Wochen.
Ich zeige euch den Brief von mir an Nils, den ich ihm mitgegeben habe.
Sehr privat.
Aber egal, ich weiß, dass so viele an uns denken und sich fragen,
wie wir uns fühlen.
Nein, es ist noch nicht wieder gut.
( die Frage kam tatsächlich letztens…)
Wird nie wieder gut werden.
Auch wenn man es uns äusserlich vielleicht nicht mehr ansieht.
Aber wir arbeiten dran.


Lieber Nils!

Ich hoffe, es geht dir gut.
Kein Dreijähriger sollte schon so lange von Mama und Papa und seinen Geschwistern weg sein, ohne, dass sie auf ihn aufpassen.
Auch wenn du meinst, du bist schon groß.
Ich habe ein bisschen Angst, daß Gott viel zu viel zu tun hat, um sich genug um dich zu kümmern, auch wenn wir natürlich glauben sollen, er hätte für jeden im Himmel genug Zeit.
Das Gefühl, dich in deiner neuen Welt nicht begleiten zu können und sie dir nicht zeigen und erklären zu können, ist fast nicht auszuhalten.
Viele sagen, du bist jetzt ein kleiner Engel,
(entschuldigung...., ein großer natürlich!)
der über uns wacht und uns beschützt.
Ich möchte das irgendwie eigentlich gar nicht.
Denn das ist verdreht.
Ich möchte, dass du frei bist. Froh und sorglos.
Wie immer ohne Angst.
Das bist du bestimmt.
Mach dir keine Gedanken um uns.
Wir sind gerade so traurig, so verzweifelt und so krank vor Kummer.
Bei allem, was wir machen und was wir noch machen wollen, fehlst du. So schrecklich sehr.
Aber glaub mir, wir werden schon lernen, damit umzugehen.
Und wir trösten uns gegenseitig.
Ich stelle mir vor, wen du wohl triffst, dort, wo du jetzt bist.
Wen du kennst.
Theo, der Hahn, ist an deiner Seite.
Ebenso die beiden Erpel Rüdiger und Rolfi.
Und Kiwi, Gretas Wellensittich.
Ich weiß nicht, ob du dich an Karlsson erinnerst, aber der hat dich sicher erkannt und schon begrüsst.
Der Hund neben Karlsson heisst Flynn, das ist sein allerbester Freund. Der ist auch noch ganz klein und verspielt.
Mit dem kannst du viel Spass haben.
Lustig, wie der kleine Nils Holgersson (Nein, nicht Petterson...!)
bist du also umringt von Federvieh.
Und zwei kleinen Windhunden.
Die ganzen Omas, Omis und Opas sind auch mit dir verwandt.
Ihr macht das schon.

Liebster Nils, wir sind stolz und froh, dass du dreieinhalb Jahre bei uns warst.
Wird man automatisch zu etwas Besonderem, wenn man die Welt nur so kurze Zeit besucht?
Wahrscheinlich.
Du warst das aber auch vorher schon.
Immer unser Stern.
Nils, der kleine (ähm... grosse) Stern, dass passte zu dir.
Dass du eigentlich eine Sternschnuppe bist, hatte keiner geahnt.

Du bist bei uns.
Immer im Herzen und in unseren Gedanken.
Und ich verspreche dir ganz fest:
Bald siehst du uns wieder glücklich.
Immer immer immer traurig,
aber nicht unglücklich.
Wir halten uns fest und dich quetschen wir unsichtbar in die Mitte.

Ich liebe dich auch so sehr,

deine Mama.



28. August


In der wilden Maremma gibt es sogar Stachelschweine.
Wir haben nur seine nächtlichen Wühlspuren gefunden,
aber immerhin ein paar echte Stacheln im Wald.

27. August


Etwas halbherziger Versuch Strandläuferinnen zu zeichnen.
Italien ist übrigens jetzt mein neues Lieblingsland.


26. August



Zurück aus dem Urlaub, wo Friedhofsgewächse in Freiheit wachsen.
War gut.



7. August



Schritt – Atemzug – Besenstrich.
(Michael Ende aus Momo)

Ist nicht SO leicht, hier was zu schreiben.
Ich weiss, das hier inzwischen Milliarden Leute geguckt haben, 
Anteil nehmen, weinen, an uns denken 
und die ganze Zeit wissen wollen, wie es uns geht.

Ich mag die Geschichte von Beppo dem Strassenkehrer.
So ähnlich ist es bei uns.
Wir machen jetzt erstmal einen Schritt 
in den am kurzfristigsten geplanten Urlaub, den man sich vorstellen kann. 
Nehmen dort einen Atemzug und dann kommt der nächste Besenstrich.

Danke für die viele viele Post, die Karten, die Mails, die Briefe, die Gedanken.

Ganz ehrlich gesagt: Eigentlich ist es nicht auszuhalten.
Aber es muss ja.



19. Juli


"Wen willst du denn auf dem Arm haben, für das Titelbild vom Hühnerbuch?"
"Theo natürlich!"

So stelle ich ihn mir gerne vor.
Gut, dass Theo schon vorgegangen ist.

( Die Skizze habe ich vor einigen Tagen wieder gefunden. Von Anfang Februar.
 Nein, das Buch habe ich nicht fertig gemacht.)




7. Juli


Am frühen Morgen des 5. Juli ist Nils ganz unerwartet,
schnell, friedlich und ohne Schmerzen
in unseren Armen für immer eingeschlafen.

Weint mit uns.
Trauert.
Er bleibt.
Für immer.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost,
was kommen mag.
Er ist mit uns am Abend und am Morgen.
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.






30. Juni



So, noch ein irgendwie (siehe Datum) unaktuelles,
leider trotzdem aktuelles Bild.
Dann geht es hoffentlich mal im Tagesgeschehen weiter…..